Bibel-Kanon

Vorbemerkungen

🚹 Als Protestant hörte ich einige scheinbar valide Punkte gegen den Deutero-Kanon und habe sie in meiner anti-katholischen Haltung sofort geschluckt. Beispielsweise habe ich in meinem protestantischen Theologie-Studium gelernt, dass das Konzil von Rom ein frĂŒher Beleg fĂŒr den NT-Kanon Kanon darstellt. Es wurde aber unterschlagen, dass es auch ein Beleg fĂŒr den katholischen AT-Kanon inklusive Deutero-Kanon darstellt. Bei Protestanten wird auch gerne immer wieder Hieronymus als Verfechter fĂŒr ihren Kanon herangezogen, aber nicht erwĂ€hnt, dass er sich der KirchenautoritĂ€t untergeordnet hat, nachdem sie eine Entscheidung fĂŒr den Kanon getroffen hat.

Wenn man jedoch nur an der OberflĂ€che vieler Argumente kratzt, merkt man ganz schnell, dass auf einer grĂŒndlicheren Ebene der Fall klar zu Gunsten der Katholiken entschieden werden muss. Viele protestantische Argumente basieren auf zweierlei Mass (in manchen Kontexten auch als Heuchelei bekannt). Es wird hĂ€ufig die andere Seite der Medaille verschwiegen oder man bezieht sich gerne auf eine falsche, ja sogar anti-christliche jĂŒdische AutoritĂ€t. Auch wird Streit der KirchenvĂ€ter vor KonzilsbeschlĂŒssen als eine Argumention herangezogen. Aber Streit kann auch fĂŒr alles Mögliche herangezogen werden (TrinitĂ€t etc.).

Wenn man dies beachtet, lassen sich die meisten protestantischen Argumente schnell entlarven. Man sollte sich immer folgende Fragen stellen:

  1. Wird hier etwas Entscheidendes oder Relativierendes verschwiegen?
  2. HÀlt der protestantische Kanon diesem Massstab stand oder kann man das Argument vielleicht sogar von unglÀubiger Seite auf den protestantischen Kanon anwenden?
  3. Wieso soll eine bestimmte angefĂŒhrte AutoritĂ€t (fĂŒr einen Protestanten) ĂŒberhaupt eine AutoritĂ€t haben?

Unterschiede zwischen kath. und prot. Kanon

  • Der katholische Bibelkanon hat 7 weitere BĂŒcher (protestantisches Framing) bzw. die Protestanten haben in Tradition Martin Luthers 7 BĂŒcher aus ihrem Kanon entfernt. Diese sind:
    • Tobit
    • Judit
      1. MakkabÀer
      1. MakkabÀer
    • Weisheit Salomos
    • Sirach
    • Baruch (traditionell ein Teil Jeremias)
  • Zudem sind 2 BĂŒcher in den katholischen Bibeln lĂ€nger bzw. in den protestantischen Bibeln gekĂŒrzt:
    • Daniel: 3 Kapitel (174 Verse)
    • Esther: 6 Kapitel (107 Verse)

Kriterien fĂŒr KanonizitĂ€t

  • Kriterien sollten universell anwendbar sein.
    • Denn mit Ausnahmen kann man bekanntlich alles rechtfertigen.
    • Somit sind nur universelle Kriterien fĂŒr eine Kanon-BegrĂŒndung brauchbar.
    • Wenn schon ein Kriterium allein nicht standhĂ€lt, kann es auch gemeinsam mit anderen schwachen Kriterien nicht funktionieren.
    • Viele schlechte Argumente zĂ€hlen nicht als ein gutes Argument, sondern eben als viele schlechte!
  • Kriterium: Autorenschaft
    • Zeitliche NĂ€he des Autors zu den Ereignissen:
      • Warum wird dann nicht der Clemensbrief oder die Petrus-Apokalypse als kanonisch angesehen?
        • Sie wurden ja teilweise mal als kanonisch angesehen.
      • 1Clem war vielleicht sogar frĂŒher als einige NT-BĂŒcher. Und Clemens kommt im NT als Person sogar vor.
      • Warum nicht auch Polykarps Brief, denn immerhin ist er ApostelschĂŒler gewesen?
    • Ein AT-Buch muss von einem Propheten stammen:
      • Was ist mit den GeschichtsbĂŒchern?
    • Ein NT-Buch muss von einem Apostel stammen:
      • Was ist mit dem HebrĂ€erbrief?
      • Warum nicht auch den 3. Korintherbrief bzw. den 0. Korintherbrief?
  • Kriterium: Lehre / Orthodoxie
    • Dies wĂ€re ein petitio principii Fehlschluss (begging the question).
    • Denn was rechte Lehre ist, erfahren wir ja aus den kanonischen BĂŒchern.
      • Zu mindestens laut Sola Scriptura. Katholiken können sich natĂŒrlich auf ein Lehramt berufen.
    • Wenn sich etwas widerspricht, was wirft man dann aus dem Kanon?
      • Wenn man nach einem Mehrheitsprinzip der biblischen Zeugen geht, könnte ich solange ganz viele Apokryphen in den Kanon holen, die meine Lehre stĂŒtzen, bis sie die Mehrheit sind.
      • Mehrheit ist zudem kein Kriterium der Wahrheit. Entweder ist etwas kanonisch oder nicht!
    • Der Kanon bleibt fĂŒr immer offen. Denn ein weiterer Korintherbrief könnte ja auch orthodox sein.
    • Man erhebt sich und seine Theologie selbst zum Standard ĂŒber die Schrift.
  • Kriterium: Christus-Zentriertheit
    • Luthers Spektrum der KanonizitĂ€t basiert auf seiner Ansicht, was Christus-zentriert ist (”was Christum treibet”).
      • Aber dies bringt dieselben Probleme, wie es auch eine noch so messerscharfe Kanon-Definition anhand der Lehre/Orthodoxie tĂ€te.
      • Denn was ist denn nach “rechtglĂ€ubiger” Weise wirklich Christus-zentriert? Und wie merke ich das?
    • Was ist mit manchen AT-Schriften?
    • Treibt nur Christum, was der lutherisch-reformierten Deutung des Römerbriefs entspricht, oder darf man auch von Jakobus ausgehen, um zu definieren, was Christus-gemĂ€ĂŸ ist?
      • Oder von einem hĂ€retischen apokryphen Buch?
      • Wer weiß, vielleicht haben die Gnostiker mit ihren Schriften ja den wahren Christus erkannt und somit tatsĂ€chlich Christum getrieben.
        • Nach diesem Kriterium ist es schwierig, dagegen zu argumentieren.
  • Kriterium: Referenzierungen
    • Kanonische AT-BĂŒcher mĂŒssen direkte Zitate im NT haben:
      • Was ist dann mit Josua, Richter, Rut, 1. Chroniker, Esra, Nehemia, Esther, Prediger, Hohelied, Klagelieder, Obadja, Zefania und Nahum?
    • Kanonische AT-BĂŒcher mĂŒssen mindestens Anspielungen im NT haben:
      • Was ist dann mit Esther, Prediger und Hohelied?
      • Im Übrigen haben aber haben einige deuterokanonische BĂŒcher Anspielungen!
        • Z.B. verweist Hebr 11,35 auf 2Makk 7,14, wobei Hebr 11 nur Glaubenshelden aus dem AT durchgeht. Also die CrĂšme de la CrĂšme, was die Bibel anzubieten hat. Und dann sollen auf einmal Figuren aus Apokryphen auftauchen?
      • Auch das Henochbuch und griechische Philosophen werden im NT erwĂ€hnt. Sind sie jetzt auch kanonisch?
  • Kriterium: Anspruch auf Inspiration
    • Kanonische BĂŒcher mĂŒssen sich als inspiriert ansehen:
      • Was ist dann mit allen historischen AT-BĂŒchern oder mit der Weisheitsliteratur?
    • Es darf keine scheinbare Ablehnung von Inspiration geben:
      • Was ist dann mit:
        • 1Kor 7,12“Den Übrigen aber sage ich, nicht der Herr: Wenn ein Bruder eine unglĂ€ubige Frau hat, und diese ist einverstanden, bei ihm zu wohnen, so soll er sie nicht entlassen;”1Kor 7,12
        • 2Kor 11,17–23“17 Was ich jetzt rede, das rede ich nicht dem Herrn gemĂ€ĂŸ, sondern wie in Torheit, in diesem zuversichtlichen RĂŒhmen. 18 Da viele sich rĂŒhmen nach dem Fleisch, will auch ich mich rĂŒhmen. 19 Ihr, die ihr klug seid, ertragt ja gerne die Törichten. 20 Ihr ertragt es ja, wenn jemand euch versklavt, wenn jemand euch aufzehrt, wenn jemand euch einfĂ€ngt, wenn jemand sich ĂŒberhebt, wenn jemand euch ins Gesicht schlĂ€gt. 21 Zur Schande sage ich das, dass wir so schwach waren. Worauf aber jemand pocht (ich rede in Torheit), darauf poche ich auch. 22 Sie sind HebrĂ€er? Ich bin es auch. Sie sind Israeliten? Ich auch. Sie sind Abrahams Same? Ich auch. 23 Sie sind Diener des Christus? Ich rede unsinnig: Ich bin’s noch mehr! Ich habe weit mehr MĂŒhsal, ĂŒber die Maßen viele SchlĂ€ge ausgestanden, war weit mehr in GefĂ€ngnissen, öfters in Todesgefahren“2Kor 11,17–23
    • Es darf keine scheinbare Schließungen des Kanons geben:
      • 1Makk 9,27“Große BedrĂ€ngnis herrschte in Israel, wie noch keine geherrscht hatte seit den Tagen, da die Propheten nicht mehr auftraten.”1Makk 9,27
      • Es wird hier nicht gesagt, dass sie fĂŒr immer aufhörten.
      • Und wenn damit ausgedrĂŒckt werden soll, dass es keine Propheten derzeit gibt und somit 1Makk nicht inspiriert sein kann, was ist dann mit:
        • Ps 74,9“Unsere eigenen Zeichen sehen wir nicht; es ist kein Prophet mehr da, und niemand bei uns weiß, wie lange.“Ps 74,9
  • Kriterium: Das pneumatische Argument
    • Der Heilige Geist ĂŒberfĂŒhrt die Christenheit des richtigen Kanons
      • Demnach muss ja der traditionelle katholische Kanon korrekt sein.
        • Es sei denn der Heilige Geist hat lange Zeit geschlafen.
    • Der Heilige Geist kann theoretisch auch durch nicht-kanonische BĂŒcher wirksam sein oder auch bspw. durch Lieder.
      • John Bunyan bekam in einer Glaubenskrise einen Eindruck durch den Heiligen Geist, der ihn gerettet hat. Später erkannte er, dass dieser Eindruck aus Sirach 2 kam.
      • Woher weiss ich also, ob mein Geist-gewirktes Erlebnis aufgrund der KanonizitĂ€t oder trotz der Nicht-KanonizitĂ€t einer Schrift zu Stande kam?
      • Wieso wollte Luther aus Eifer fĂŒr das vermeintliche Evangelium dann auch einige BĂŒcher aus dem NT-Kanon entfernen?
        • Jakobus vor allen!
        • Der Eifer fĂŒr das Evangelium kann ja nur vom Heiligen Geist geleitet sein.
      • Wer definiert, was Christenheit und Christsein ist, wenn nicht durch die Lehren des christlichen Kanons?
      • Wer definiert, was Geist-Wirken ist, wenn nicht der christliche Kanon?
    • Wie erkennt man das Wirken des Geistes?
      • Die Mormonen wĂ€hnen sich auch vom Geist geleitet.
      • SchwĂ€rmerische Neuoffenbarungen gibt es an allen Enden. Sie diese dann auch durch den Geist gewirkt?
      • Wie erkennt man falsche Propheten um sie nicht in den Kanon zu lassen?
    • Ist diese beste und deutlichste Prophetie auf den Messias Jesus nicht dann auch vom Geist getrieben, wie Petrus sagt:
      • 2Petr 1,21“Denn niemals wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben die heiligen Menschen Gottes geredet”2Petr 1,21
      • Die beste und deutlichste biblische Prophetie befindet sich im deuterokanonischen Buch Weisheit:
      • Weish 2,12-24“12 Lasst uns dem Gerechten auflauern! Er ist uns unbequem und steht unserem Tun im Weg. Er wirft uns Vergehen gegen das Gesetz vor und beschuldigt uns des Verrats an unserer Erziehung. 13 Er rĂŒhmt sich, die Erkenntnis Gottes zu besitzen, und nennt sich einen Knecht des Herrn. 14 Er ist unserer Gesinnung ein Vorwurf, schon sein Anblick ist uns lĂ€stig; 15 denn er fĂŒhrt ein Leben, das dem der andern nicht gleicht, und seine Wege sind grundverschieden. 16 Als falsche MĂŒnze gelten wir ihm; von unseren Wegen hĂ€lt er sich fern wie von Unrat. Das Ende der Gerechten preist er glĂŒcklich und prahlt, Gott sei sein Vater. 17 Wir wollen sehen, ob seine Worte wahr sind, und prĂŒfen, wie es mit ihm ausgeht. 18 Ist der Gerechte wirklich Sohn Gottes, dann nimmt sich Gott seiner an und entreißt ihn der Hand seiner Gegner. 19 Durch Erniedrigung und Folter wollen wir ihn prĂŒfen, um seinen Gleichmut kennenzulernen und seine Widerstandskraft auf die Probe zu stellen. 20 Zu einem ehrlosen Tod wollen wir ihn verurteilen; er behauptet ja, es werde ihm Hilfe gewĂ€hrt. 21 So denken sie, aber sie irren sich; denn ihre Schlechtigkeit macht sie blind. 22 Sie verstehen von Gottes Geheimnissen nichts, sie hoffen nicht auf Lohn fĂŒr Heiligkeit und erwarten keine Auszeichnung fĂŒr untadelige Seelen. 23 Denn Gott hat den Menschen zur UnvergĂ€nglichkeit erschaffen und ihn zum Bild seines eigenen Wesens gemacht.1 24 Doch durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt und ihn erfahren alle, die ihm angehören.”Weish 2,12-24

Biblische Argumente gegen den Deutero-Kanon

Röm 3,2

 📖 “Viel, in jeder Hinsicht! Denn vor allem sind ihnen die AussprĂŒche Gottes anvertraut worden.”

  • Es heißt hier nur, dass die Juden die Verwalterschaft bekommen haben, nicht die Herrschaft.
  • Den Inhalt zu bekommen heißt noch nicht zwangslĂ€ufig das Recht zur Kanonisierung.
    • Und den Inhalt des vollen AT haben sie ja bekommen.
    • Es ist Eisegese hier eine Kanonisierung reinzulesen.
  • Die Stelle steht zudem in der Vergangenheitsform.
    • Jetzt hat die Kirche die ZĂŒgel in der Hand, sonst wĂ€re ja auch der Römerbrief nicht kanonisch, wenn es nach den Juden ginge.
  • Die Juden hatten damals keinen fixen Kanon.
    • Welchen Kanon soll man demnach befolgen?
    • Es gab ca. 24 verschiedene Gruppierungen im Judentum des 1. Jahrhunderts.
    • Die SadduzĂ€er hatten bekanntlich nur die Torah im Kanon.
    • Manche Juden auch einen noch breiteren Kanon als Katholiken.
  • Die Kirche darf auch nachtrĂ€glich den Kanon Ă€ndern bzw. ergĂ€nzen.
    • Denn wo haben die Juden explizit gesagt, dass die deuterokanonischen BĂŒcher nicht drinnen sein dĂŒrfen?
    • Eine ErgĂ€nzung wĂ€re dann ja nichts Verwerfliches, da nicht dem vorher definierten Kanon (wenn es ihn den gĂ€be) widersprochen werden muss.
    • Dass die Kirche ergĂ€nzen darf, ist unumgĂ€nglich, wenn wir ein NT haben wollen.
  • Außerdem steht im nĂ€chsten Vers 3, dass etliche untreu waren.
    • Welcher jĂŒdischen Gruppe kann man nun vertrauen?
    • Vielleicht waren sie ja nicht nur in der Auslegung und im Praktizieren der Schrift untreu, sondern auch in der Kanonisierung. Liegt ja sehr nahe, dies in diesem Kontext anzunehmen.

Lk 24,44

📖 “Er aber sagte ihnen: Das sind die Worte, die ich zu euch geredet habe, als ich noch bei euch war, dass alles erfĂŒllt werden muss, was im Gesetz Moses und in den Propheten und den Psalmen von mir geschrieben steht.”

  • Diese 3-teilige Phrase kann sonst erst ab Mitte des 2. Jahrhunderts in Dokumenten gefunden werden.
    • Es kann sich hier also um keinen Terminus Technicus dieser Zeit handeln.
    • Zu mindestens kann man so eine Behauptung ohne Belege nicht einfach stehen lassen.
  • Vers 46: “und sprach zu ihnen: So steht es geschrieben, und so musste der Christus leiden und am dritten Tag aus den Toten auferstehen,”
    • Alle 3 Quellen, die Jesus nannte, sind bekannt fĂŒr ihre vielen Prophetien auf den leidenden Messias.
    • Nur deswegen nennt Er sie und deswegen auch speziell das Buch der Psalmen.
    • Jesus hat hier also nicht die Absicht, einen Kanon zu erwĂ€hnen. Höchstens einen Kanon von messianischen Leidensprophetien.
  • Im 4. Jahrhundert zĂ€hlten die Juden Sirach noch zu den Schriften/Writings/Hagiographa.
    • Talmud, Bava Kamma 92b“Rabba bar Mari explains each of the sources. It is written in the Torah, as it is written: “And so Esau went to Ishmael” (Genesis 28:9). It is repeated in the Prophets, as it is written: “And there were gathered vain fellows to Yiftah, and they went out with him” (Judges 11:3). And it is triplicated in the Writings, as it is written: All fowl will live with its kind, and men with those like him (Book of Ben Sira 13:17).”Talmud, Bava Kamma 92b
  • Man siehe auch die AusfĂŒhrungen zu Lukas 16,16 als Gegenbeleg.

Lk 11,49-51

📖 “Darum hat auch die Weisheit Gottes gesprochen: Ich will Propheten und Apostel zu ihnen senden, und sie werden etliche von ihnen töten und verfolgen, damit von diesem Geschlecht das Blut aller Propheten gefordert werde, das seit Grundlegung der Welt vergossen worden ist, vom Blut Abels an bis zum Blut des Zacharias, der zwischen dem Altar und dem Tempel umkam. Ja, ich sage euch, es wird gefordert werden von diesem Geschlecht!”

  • Es ist eine moderne protestantische Idee diese Stelle fĂŒr die Kanonfrage anzufĂŒhren.
    • Kein Kirchenvater hat diese Stelle im Rahmen der Kanondebatte aufgefĂŒhrt, egal auf welcher Seite er stand.
  • Aber selbst wenn der Kanon geschlossen war, mit dem NT wurde er wieder geöffnet und die Christen durften auch nachtrĂ€glich alles reinnehmen, was sie als christlich erachteten.
  • Es mĂŒssen 4 Annahmen getroffen werden, um diese Bibelstelle fĂŒr die Kanonfrage brauchbar zu machen:
    • Ist der Zacharias ĂŒberhaupt identisch mit dem aus 2Chr 24,20-22?
      • In Mt 23,34-36 sagt Jesus, dass Zacharias der Sohn Barachias ist, wĂ€hrend der aus 2Chr der Sohn Jehoiadas ist.
      • Jesus zitiert eine jĂŒdische Tradition: Targum Lamentations
    • Ist 2Chr wirklich das letzte Buch der hebrĂ€ischen Bibel?
      • Dieses Argument nimmt ja bereits an, dass der viel spĂ€tere rabbinische Kanon damals schon galt.
      • Die Ă€lteste ĂŒberlieferte Kopie eines gesamtes Buches (im Gegensatz zu Schriftrollen) ist der Codex Leningradensis (Ende 1. Jahrtausend).
        • Dieser und der Codex Alephensis fĂŒhren Chroniker als erste der Schriften auf und nicht als letzte.
      • Esra scheint spĂ€ter zu sein als Chroniker, denn der 1. Absatz von Esra scheint eine Wiederholung des letzten Absatzes von 2Chr zu sein.
      • Auch ist anzunehmen, dass Esra und Chroniker in der Reihenfolge des ursprĂŒnglichen Kanons weit auseinander lagen, denn sonst ist ja eine Wiederholung sinnlos, wenn sie direkt miteinander verbunden waren und aufeinander folgten.
    • Will Jesus mit dieser Aussage auch wirklich den Kanon abstecken?
      • Wieso erwĂ€hnt Jesus nicht das Blut der MakkabĂ€er?
      • Der Kontext macht es klar: Jesus prangert die unglĂ€ubigen Juden an, die die Propheten töteten, nicht die heidnischen Griechen, wie bei den MakkabĂ€ern geschehen.
    • Zwischen Gen und 2Chr findet man keine deuterokanonischen BĂŒcher.
      • Aber wir kennen wie gesagt nicht das Inhaltsverzeichnis alter jĂŒdischer Bibel!

Offb 22,18-19

📖 “FĂŒrwahr, ich bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung dieses Buches hört: Wenn jemand etwas zu diesen Dingen hinzufĂŒgt, so wird Gott ihm die Plagen zufĂŒgen, von denen in diesem Buch geschrieben steht; und wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buches dieser Weissagung, so wird Gott wegnehmen seinen Teil vom Buch des Lebens und von der heiligen Stadt, und von den Dingen, die in diesem Buch geschrieben stehen.”

  • Wir wissen nicht sicher, dass Offb das letzte Buch des NT ist. Joh oder Joh-Briefe könnten spĂ€ter geschrieben worden sein.
  • Das NT ist nach Kategorie und nicht Chronologie geordnet.
  • Die deuterokanonischen BĂŒcher wurden nicht nach Abfassung der Offenbarung in den Kanon aufgenommen, sondern gehören zum AT oder auch nicht.
    • Sie wurden frĂŒher geschrieben und auch schon frĂŒher bei frommen Juden anerkannt.
  • Der Kanon des NT stand ohnehin erst viel spĂ€ter fest, wie sollte man also dieses Verbot einhalten, wenn es sich auf die gesamte Bibel bezieht?
  • Diese Stelle in Offb bezieht sich jedoch nur auf Offb selbst. Man sollte dies als Klammer um die Offb ansehen gemeinsam mit Offb 1,3: “GlĂŒckselig ist, der die Worte der Weissagung liest, und die sie hören und bewahren, was darin geschrieben steht! Denn die Zeit ist nahe.”
  • Auch mĂŒsste nach dieser Logik jeder verflucht sein, der nach Dtn 4,2 noch etwas hinzufĂŒgt: “Ihr sollt nichts hinzufĂŒgen zu dem Wort, das ich euch gebiete, und sollt auch nichts davon wegnehmen, damit ihr die Gebote des HERRN, eures Gottes, haltet, die ich euch gebiete.”
    • Protestanten, die so etwas behaupten, sind somit die modernen SadduzĂ€er.
    • TatsĂ€chlich wollen beide Stellen nur darauf hinweisen, dass zu dem aktuellen Wort nichts hinzuzufĂŒgen ist. Bei der Offb eben nicht noch mehr Inhalt um beim mosaischen Gesetz eben nicht noch mehr Gebote!
  • Diese Stelle kann auch genauso fĂŒr die Protestanten gelten, die etwas vom Kanon wegnehmen. Dann fĂŒge ich nach dieser Logik doch lieber etwas hinzu, was nicht hinzu gehört, und ziehe mir maximal Plagen auf den Hals als dass ich mein Eintrag im Buch des Lebens verliere, wenn ich etwas wegnehme, was hinzugehört.

Biblische Argumente fĂŒr den Deutero-Kanon

Lk 16,16

📖 “Das Gesetz und die Propheten [weissagen] bis auf Johannes; von da an wird das Reich Gottes verkĂŒndigt, und jedermann drĂ€ngt sich mit Gewalt hinein.”

In Kombination mit Mt 11,13:

📖 “Denn alle Propheten und das Gesetz haben geweissagt bis hin zu Johannes.”

  • Da Gesetz und Propheten zeitlich bis zum Weltende prophezeien, kann nicht gemeint sein, dass sie bis auf die Zeit von Johannes dem TĂ€ufer prophezeiten.
  • Somit kann nur gemeint sein, dass Johannes eben in der Reihe der AT-Propheten als letzter ansteht. Jesus verweist ja in Mt 17,10-13 darauf, dass er als der Elia angesehen werden kann, der vor dem Messias kommen muss. Und ab Johannes wird das Reich Gottes verkĂŒndigt.
  • Wenn aber Johannes der letzte in der Reihe der AT-Propheten ist, dann kann das ja nur heißen, dass die Zeit davor nicht ein Ende der Propheten bedeutet und das schließt die Zeit der deuterokanonischen BĂŒcher mit ein!
  • Demnach ist aber der Ausdruck „Gesetz und Propheten“ von Jesus selbst bis zu Johannes hin definiert worden. Dies schließt die 400 Jahre der deuterokanonischen Buecher mit ein. Dies ist zwar kein perfekter Beweis, aber das legt es nahe.
  • Somit ist es auch falsch, dass die Idee der Juden aus dem 2. Jahrhundert n.Chr. korrekt ist, wonach die Propheten 400 v.Chr. aufgehört haben. Johannes der TĂ€ufer ist nĂ€mlich nach Jesus also auch ein Prophet, ja mehr noch als nur ein gewöhnlicher Prophet (vgl. Lk 7,26). Er ist der verheißene Elia (vgl. Mt 11,14).

Die ersten Christen nutzten die LXX und nicht den masoretischen Text

  • Die ersten Christen nutzten die LXX als Bibel und somit wohl auch den LXX-Kanon.
    • Die Apostel, Jesus und der Hohe Rat ebenfalls.
    • Das NT zitiert zu 90% aus der LXX.
    • Die verschiedene Autoren mit unterschiedlicher Zielgruppe zitieren so:
      • Sie mussten erwartet haben, dass ihre Zielgruppe das so hinnehmen wird.
      • Viele Argumente ergeben nĂ€mlich nur mit der LXX-Lesart Sinn.
      • Ohne LXX als gemeinsame und allgemein vorausgesetzte Grundlage, hĂ€tten sie ja keine Überzeugungskraft gehabt und das musste den Schreibern auch klar gewesen sein.
  • Die Funde in Qumran sind Ă€lter als der masoretischer Text (10. Jhdt. n.Chr.) und bezeugt die LXX Variante auf HebrĂ€isch!
    • Die Juden mochten die LXX-Variante spĂ€ter nicht mehr aufgrund der vielen messianischen Prophetien (z.B. in Weish 2,12-24).
    • Warum sollten wir Christen uns in Kanon- und Textkritikfragen auf die Juden verlassen?
    • Die Christen waren mit der LXX sehr erfolgreich in der Judenmission.
    • Deshalb haben die Juden angefangen ihren proto-masoretischen Text zu bevorzugen.
    • Christen haben immer nur die LXX kopiert, sodass der hebrĂ€ische Grundtext der LXX ĂŒber die Zeit “ausgestorben” ist.
    • Mit Qumran haben wir ihn aber wiederentdeckt. Seither ist die LXX in der textkritischen Forschung wieder sehr beliebt.
  • Es gibt auch Unterschiede in den verschiedenen LXX-Manuskripten: Jeder Kodex hat andere deuterokanonische BĂŒcher.
    • Dies spricht zwar gegen einen verbindlichen alexandrinischen Kanon.
    • Aber sie haben den Deutero-Kanon, was zeigt, dass sie durchaus auch bei Juden als Schrift anerkannt waren.
  • Beispiele der Verwendung des LXX-Textes:
    • Über die Engel:
      • HebrĂ€er 1,6: “Und wenn er den Erstgeborenen wiederum in die Welt einfĂŒhrt, spricht er: »Und alle Engel Gottes sollen ihn anbeten!«”
      • Mose 32,43: “Jubelt, ihr Heiden, seinem Volk zu! Denn Er wird das Blut seiner Knechte rĂ€chen und seinen Feinden vergelten; aber fĂŒr sein Land und sein Volk wird er SĂŒhnung schaffen!”
      • Im masoretischen Text ist kein Engel genannt, obwohl der HebrĂ€erbrief im Kontext ĂŒber Engel redet. HĂ€tten die EmpfĂ€nger des HebrĂ€erbriefes hier nicht sofort protestiert, hĂ€tte es ihrer Bibel widersprechen?
    • Über den Opferleib Christi:
      • HebrĂ€er 10,5: “Darum spricht er bei seinem Eintritt in die Welt: »Opfer und Gaben hast du nicht gewollt; einen Leib aber hast du mir bereitet.”
      • Psalm 40,7: “Opfer und Gaben hast du nicht gewollt; Ohren aber hast du mir bereitet; Brandopfer und SĂŒndopfer hast du nicht verlangt.”
      • Was nun? Ohren oder Leib?
    • Über den Stab Jakobs
      • HebrĂ€er 11,21: “Durch Glauben segnete Jakob, als er im Sterben lag, jeden der Söhne Josephs und betete an, auf seinen Stab gestĂŒtzt.”
      • Mose 47,31: “Er aber sprach: So schwöre mir! Da schwor er ihm. Und Israel betete an am Kopfende des Bettes.”
      • Was nun? Stab oder Bett?
    • Warum wird der Name des Herrn gelĂ€stert?
      • Römer 2,24: “Denn der Name Gottes wird um euretwillen gelĂ€stert unter den Heiden, wie es geschrieben steht.”
      • Jesaja 52,5: “Nun aber, was geschieht mir denn hier, spricht der HERR, dass mein Volk ohne EntschĂ€digung geraubt wird? Seine Beherrscher jauchzen triumphierend, spricht der HERR, und mein Name wird bestĂ€ndig gelĂ€stert, den ganzen Tag.”
      • Den Juden scheint der Inhalt nicht gefallen zu haben, weshalb sie es hier rausnahmen.
    • Was ist mit den Blinden?
      • Lukas 4,17-19: “Und es wurde ihm die Buchrolle des Propheten Jesaja gegeben; und als er die Buchrolle aufgerollt hatte, fand er die Stelle, wo geschrieben steht: 18 »Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat6, den Armen frohe Botschaft zu verkĂŒnden; er hat mich gesandt, zu heilen, die zerbrochenen Herzens sind, Gefangenen Befreiung zu verkĂŒnden und den Blinden, dass sie wieder sehend werden, Zerschlagene in Freiheit zu setzen, 19 um zu verkĂŒndigen das angenehme Jahr des Herrn.«”
      • Jesaja 61,1-2: “Der Geist des HERRN, des Herrschers, ist auf mir, weil der HERR mich gesalbt hat, den Armen frohe Botschaft zu verkĂŒnden; er hat mich gesandt, zu verbinden, die zerbrochenen Herzens sind, den Gefangenen Befreiung zu verkĂŒnden und Öffnung des Kerkers den Gebundenen, um zu verkĂŒndigen das angenehme Jahr des HERRN und den Tag der Rache unseres Gottes, und um zu trösten alle Trauernden;”
      • Jesus selbst zitiert hier aus der LXX – und das sogar im Kontext des Gottesdienstes in der Synagoge.
      • In der Synagoge wurde also aus der LXX gelesen bzw. aus dem hebrĂ€ischen Grundtext der LXX!
    • 75 oder 70 Seelen?
      • Apostelgeschichte 7,14: “Da sandte Joseph hin und berief seinen Vater Jakob zu sich und seine ganze Verwandtschaft von 75 Seelen.”
      • Gen 46,27: “Und die Söhne Josephs, die ihm in Ägypten geboren sind, waren zwei Seelen, sodass alle Seelen des Hauses Jakobs, die nach Ägypten kamen, 70 waren.”
      • Stephanus zitiert die LXX bei einer lebenswichtigen Belehrung im Prozess vor dem Hohen Rat.
        • WĂ€re ihm ein solcher Fehler unterlaufen, wenn es um sein Leben geht?
        • Die Juden scheinen keinen Einwand gegen das Zitat zu haben.
        • Der Hohe Rat akzeptiert also auch die LXX!
    • Es lĂ€sst sich also zusammenfassend sagen:
      • Jesus akzeptierte die LXX.
      • Die Apostel akzeptierten die LXX.
      • Die Synagoge akzeptierte die LXX.
      • Das jĂŒdische Volk bzw. die HebrĂ€erbrief-Adressaten akzeptierten die LXX.
      • Der Hohe Rat akzeptierte die LXX.
  • Es wird manchmal behauptet, dass die deuterokanonischen BĂŒcher nicht mit der LXX ĂŒbersetzt wurden, da sie ja auch Griechisch geschrieben wurden.
    • Das stimmt so jedoch nicht: Jesus Sirach (und vielleicht andere) wurden aus einem hebrĂ€ischen Original ĂŒbersetzt.

Gab es zur Zeit Jesu ĂŒberhaupt einen fixen jĂŒdischen Kanon?

  • Es gab bis zu 24 verschiedene jĂŒdische Parteien im 1. Jahrhundert!
    • Die SadduzĂ€er erkannten nur die Torah als kanonisch an.
    • Die PharisĂ€er angeblich ja nur die protokanonischen BĂŒcher?
    • Die Essener hatten auch die deuterokanonischen BĂŒcher im Gebrauch.
      • In Qumran wurden sie gefunden, nicht jedoch Esther!
    • Die ersten Christen akzeptierten auch den Deutero-Kanon (siehe biblische Referenzen auf diese BĂŒcher).
    • Die Diaspora-Juden akzeptierten die LXX (und somit wohl auch ihren Kanon), da sie teilweise nur Griechisch sprachen (man siehe die Sprachenrede zu Pfingsten).
    • Manche Juden akzeptierten sogar einen breiteren Kanon als die Katholiken.
  • Setzte Jesus wirklich einen Kanon bei den Juden voraus, wenn Er sich auf die Schrift bezieht?
    • Er hat sich in der Diskussion den Kontrahenten angepasst:
      • Z.B. diskutiert Jesus in Mt 22,23ff. mit SadduzĂ€ern ĂŒber die Auferstehung und Jesus nimmt nicht die einfachen Verse aus dem AT (bspw. Dan 12,2), sondern argumentiert nur aus der Torah heraus.
      • Er passt sich dem schmaleren Kanon der Kontrahenten an.
      • Und das sogar, obwohl sich die SadduzĂ€er hier auf eine Geschichte aus Tobit beziehen, was aus ihrer Position sehr heuchlerisch ist.
      • Wieso weist Jesus sie nicht zurecht und wirft ihnen einen zu geringen Kanon vor?
      • Oder gab es vielleicht noch keinen offiziellen jĂŒdischen Kanon?
    • Ein objektiver Kanon bedeutet nicht, dass jeder diesen kennt.
      • Die Juden sind, wie schon belegt, zerstritten.
      • Sicherlich gab es auch welche, die den von Gott intendierten Kanon hatten.
      • Aber eine Referenz Jesu auf den Kanon heißt ja noch nicht, dass jeder dies erkennt oder anerkennt.
      • Jesus setzt ja auch manchmal seine objektiven Auslegungen als Standard fĂŒr RechtglĂ€ubigkeit und Geradlinigkeit voraus, obwohl die Juden ja offensichtlich anderen Auslegungen anhingen.
      • Soll das Objektive schweigen, nur weil andere es nicht (an)erkennen?
      • Jesus kam ja gerade zu dem Zweck, um uns endlich die objektive Lehre als auch Lebensweise zu bringen und dann wohl auch den objektiven Kanon zu bestĂ€tigen, was ja vorher offensichtlich kein Prophet getan hatte.
    • Jesus bezieht sich vielleicht einfach auf jene BĂŒcher, die bei seinen Gegnern nicht umstritten waren. Das sagt aber nichts darĂŒber aus, ob andere BĂŒcher vielleicht noch debattiert wurden.
  • Rabbinisches Judentum:
    • Noch Ende des 2. Jahrhunderts n.Chr. wurde ĂŒber die KanonizitĂ€t mancher BĂŒcher gestritten (Mishna, Yadaim, III, 5; Oder frĂŒher noch: Babylonian Talmud, Megilla, fol. 7).
    • Offensichtlich bestand da vorher noch keine Klarheit, sonst wĂ€re der Streit ja nicht nötig gewesen.
    • Es betraf die BĂŒcher SprĂŒche, Esther, Hohelied und Prediger.
    • Die Synode von Jamnia ist wohl nur ein Mythos, hat aber auf keinen Fall einen verbindlichen Kanon festgeschrieben. Esther, Hohelied und Prediger waren dort umstritten.
  • Der Babylonische Talmud zitiert Sirach als Heilige Schrift (bereits im 5. Jhdt. v.Chr.).
  • In Verbindung mit GraphĂ€ sollen angeblich immer nur traditionelle Schriftstelle zitiert und niemals deuterokanonische BĂŒcher.
    • Die „Schrift“ (GraphĂ€) sei also ein Terminus Technicus.
    • Das ist ein Argumentum ex silencio.
    • Wo sind die Beweise, dass dies ein gĂ€ngiger Terminus Technicus war?
    • Siehe die AusfĂŒhrungen zu Lk 24,44.
  • JĂŒdischer Kanon:
    • Bei vermeintlichen Kanonlisten der Juden ist immer zu fragen, ob es sich um eine vollstĂ€ndige oder vielleicht um nur eine beschreibende Liste von Heiligen BĂŒchern handelt.
  • Es kann gar keinen fixen und formellen jĂŒdischen Kanon gegeben haben.
    • Denn dann wĂ€re die Offenbarung abgeschlossen und das NT nicht kanonisch.
    • Es ist also zu erwarten, dass die Juden keinen definitiven Kanon hatten, insbesondere, wenn sie die AutoritĂ€t und Inspiration hatten, einen festzulegen.
    • Die christliche Kirche hatte diese AutoritĂ€t und hat dann endlich auch einen formellen und definitiven Kanon entschieden und die Offenbarung fĂŒr abgeschlossen erklĂ€rt.

Weitere Argumente gegen den Deutero-Kanon

  • Josephus und Hieronymus argumentieren, dass das AT 22 BĂŒcher haben muss, weil das hebrĂ€ische Alphabet 22 Buchstaben hat.
    • Es ging den beiden wohl eher um Zahlenmystik als um Fakten.
    • Die normale ZĂ€hlweise der Juden sind 24 BĂŒcher.
    • 39 BĂŒcher nach protestantischer ZĂ€hlweise.
    • Josephus kennt nur 13 Propheten und 4 sonstige BĂŒcher neben den 5 BĂŒchern Mose
      • Wie man es dreht und wendet, alles bleibt etwas rĂ€tselhaft.
    • Hieronymus kennt 5 BĂŒcher Mose, 8 Propheten und 9 Hagiographen.
      • Auch hier findet eine komische ZĂ€hlweise statt.
    • Hieronymus zitiert spĂ€ter in seinem Leben Sirach als Heilige Schrift (Ă€nderte seine festen Ansichten also aufgrund der AutoritĂ€t der Kirche).
    • Josephus zitiert in den JĂŒdischen AltertĂŒmern auch 1Makk und aus den Deutero-Kapiteln von Esther.
      • Er betont aber andererseits, dass die Heiligen Schriften seine einzigen AutoritĂ€ten waren.
      • Josephus scheint auch zu Übertreibungen zu neigen, da er auch sagte, dass niemand zu den 22 BĂŒchern je etwas hinzugefĂŒgt hĂ€tte. Aber wir wissen das Gegenteilige von den Essenern. Oder er sagt auch, dass niemals jemand etwas hinweggenommen hĂ€tte. Aber wir wissen Gegenteiliges von den SadduzĂ€ern.

Weitere Argumente fĂŒr den Deutero-Kanon

  • Zitate und Referenzen aus deuterokanonischen BĂŒchern sind gewöhnlich in der frĂŒhen Christenheit:
    • Alte Liturgien wie die von Jakobus
    • KirchenvĂ€ter- und Schriftsteller (z.B. Clemens von Rom, IrenĂ€us, Athanagoras, Clemens von Alexandrien, Origines, Methodius, Cyprian, Athanasius, Augustinus)
    • Clemensbrief (vom Clemens bekannt aus dem NT und 4. Papst) zitiert Weisheit Salomos in 1Clem 27,5.
    • Didache zitiert Sirach 4,31 als Heilige Schrift.
    • Polykarp zitiert Tobit 4,10 und Tobit 12,9 in seinem Brief an die Philipper.
    • 177 n.Chr.: Melito von Sardes sagt, dass Juden und Christen Weisheit Salomos als kanonisch ansehen.
    • 180 n.Chr.: IrenĂ€us zitiert Daniel-ZusĂ€tze.
    • 240 n.Chr.: Origines sieht Baruch im Kanon und verweist zu 1. und 2. Makk.
    • NT selbst referenziert sie (obwohl es natĂŒrlich alles mögliche zitiert, aber es hat sehr oft eben auch Referenzen zu den deuterokanonischen BĂŒchern).
    • Erste Protestanten wollten sich noch nicht so recht von den deuterokanonischen BĂŒchern lösen.
    • Große Kirchenleiter akzeptierten die deuterokanonischen Schriften generell: Justin der MĂ€rtyrer, Tertullian, Augustinus, Ambrosius, Cyprian, IrenĂ€us.
  • Qumran hatte von einigen deuterokanonischen BĂŒchern mehr Kopien als von manchen protokanonischen.
  • Konzilien bestĂ€tigen den katholischen Kanon:
    • Rom (382)
      • Papst Damasus kanonisierte den heutigen Kanon.
      • Ausnahme: Baruch (aber das gehörte traditionell zu Jeremia)
    • Hippo (393)
    • Karthago (397-419)
    • Florenz (1442 und somit ein ökumenisches Konzil noch vor der Reformationszeit)
      • Die Kirche hat also in Trient bzgl. des Kanons nicht ĂŒbereilt auf Luther reagiert, sondern hatte den Kanon schon vorher etliche Male festgelegt.
    • Auch Hieronymus erkennt letztlich im Vorwort zu Judith – wenn auch widerwillig – an, dass Judith laut NizĂ€a I (325) kanonisch war.
      • Zwar haben wir nichts bzgl. eines Kanon von NizĂ€a I dahingehend ĂŒberliefert, es zeigt aber plausibel, dass es wohl damals schon festgelegt wurde – immerhin war ja Hieronymus ein ausgesprochener Gegner von den deuterokanonischen BĂŒchern.
      • Hieronymus lehnte die deuterokanonischen BĂŒcher ohnehin nur ab, weil er bei Juden auf HebrĂ€isch-Fortbildung war.
      • Dies zeigt auch, dass es zwar Streit unter den ersten Christen gab (wie auch bspw. zur TrinitĂ€t), dass man sich aber am Ende des Tages unter die Kirchenmeinung untergeordnet hat.
  • In den frĂŒhen christlichen Katakomben gibt es Kunstwerke, die Szenen den deuterokanonischen BĂŒchern zeigen.
    • Dies ist kein zwingendes Argument.
    • Aber es ist schon beachtlich, wurde doch damals der Glaube fĂŒr das ungebildete Volk hĂ€ufig mit Bildern und Ikonen erklĂ€rt.
  • Die Orthodoxen akzeptieren die deuterokanonischen BĂŒcher, was bzgl. des Deutero-Kanons die Einigkeit der universalen Christenheit von Anfang an belegt.
    • Denn die Orthodoxie hat quasi Vieles eingefroren, was bis 1000 n.Chr. universale Lehre war.
  • Alte griechische Codices der LXX beinhalten die deuterokanonischen BĂŒcher ungetrennt von den protokanonischen (Aleph, A, B).
    • Zwar variieren sie und haben nicht immer alle deuterokanonischen BĂŒcher drinnen.
    • Dennoch zeigt es, dass sie normalerweise dazu gehörten.
    • Tobit, Judit, Weisheit Salomos und Sirach sind in allen Codices vorhanden.
    • Man könnte jetzt damit gegen den katholischen Kanon argumentieren, aber den protestantischen kriegt man damit auf keinen Fall erklĂ€rt.
      • Außerdem begrĂŒndet sich der Kanon innerkatholisch sowieso ekklesiologisch und nicht wie bei Protestanten hĂ€ufig durch historisch-dogmatisches AbwĂ€gen.

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